Aktuelles

11.11.2011

Klare Worte aus Worms an Bundes CDU

Wormser CDU-Kreisverband bringt Änderungen ein zur “Bildungsrepublik Deutschland” auf Bundesparteitag / Mitglieder stimmen ab / Kosubek wegen Antrag in Berlin / MdL Kessel und MdL Dickes sprechen mit Wormser Schulleitern, Elternvertretern und Lehrern

bettina dickes

Bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Bettina Dickes klärt die Unterschiede zwischen den Auffassungen der Landtagsfraktion und der Kommission der Bundes-CDU.

WORMS/MAINZ/BERLIN "Bildung ist der Schlüssel für Lebenschancen", heißt es im CDU-Grundsatzprogramm. Wie aber sieht gute Bildung aus? Dazu hat die Wormser CDU kritisch das 42-Seiten-Konzept der Kommission der Bundes-CDU zur "Bildungsrepublik Deutschland" unter die Lupe genommen – alle Mitglieder hatten Gelegenheit sich zu beteiligen im Rahmen einer parteiöffentlichen Parteiausschuss-Sitzung.

Heraus kam ein zweiseitiger Antrag mit drei Ablehnungen und ebensovielen Änderungen, die am Bundesparteitag vom 13. bis 15. November in Leipzig zur Sprache kommen sollen. Kreisvorsitzender Hans-Joachim Kosubek war sogar wegen des Antrags vergangene Woche in Berlin: "1600 Änderungsanträge hat es gegeben", berichtete er.
In einem zweieinhalbstündigen Sitzungsmarathon, der allen Mitgliedern offen stand und rege genutzt wurde, erhielt das “Wormser Papier” den letzten Schliff. Landtagsabgeordneter Adolf Kessel hatte hierzu auch die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Bettina Dickes, eingeladen. Beide konnten vor der Sitzung zudem ein intensives Gespräch führen mit Schulleitern, Schul-Elternvertretern und Lehrern von Wormser Schulen. Dickes erhielt dabei Stoff für mehrere kritische Anfragen an die Landesregierung.
Viel Vorarbeit geleistet für den Wormser Antrag hatte ein CDU Arbeitskreis unter Leitung von Hildegard Küper, der ein vierseitiges Konzept ausgearbeitet hatte. Generell bemängeln die Wormser am Entwurf der Bundes-CDU: “Bei der Umsetzung bleibt das Papier oft zu vage”. Umso deutlicher positionieren sich die Wormser Christdemokraten: Statt eines “verpflichtenden Vorschuljahres”, wie es Berlin vorsieht, wollen sie keine Zwangsregelung, sondern geben die Empfehlung: “Alle Kinder sollen das letzte Jahr der Kindertagesstätte besuchen”. Auch bei Berlins “verbindlicher, fortlaufender Sprachstandserhebung ab drei Jahren”, setzen die Wormser nicht auf Zwang, sondern auf mehr Rechte: Ihnen genügt es, wenn mit vier Jahren geprüft wird, wo das Kind sprachlich steht; dann aber soll es “einen Anspruch auf Sprachförderung während der gesamten Schulzeit” haben. Ein deutlicheres Bekenntnis als die Kommission geben die Wormser zur “differenzierten Schulstruktur” und fordern ein “Zwei-Säulen-Modell aus Gymnasium (acht Jahre) und einer mehr praxisorientierten Schule”, wobei “auch zu einem späteren Zeitpunkt alle Abschlüsse erworben werden können”. Klare Aussagen hört man aus Worms auch zur Frage nach einheitlichen Schulabschlüssen: Es werden bundesweit einheitliche Standards gefordert. Der Ursprungstext sieht dagegen nur eine “schrittweise Annäherung” vor und nimmt zunächst auch nur das Abitur in den Blick. Zugunsten der Förderschule wird in Worms der Berliner Leitgedanke “So viel Inklusion wie möglich und so viel sonderpädagogische Förderung wie nötig” verworfen. Grund: “Inklusion (...) ohne zu differenzieren wird den Kindern nicht gerecht”. Die von der Kommission vorgeschlagene Ausbildungsplatzgarantie fällt komplett durch, unter anderem “weil der Staat den Bedarf am Arbeitsmarkt nicht vorhersehen kann”. Stattdessen lautet der Wormser Vorschlag: Intensivere Vorbereitung auf das Berufs- und Arbeitsleben an den allgemein bildenden Schulen.