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02.11.2012

Alarm bei der Polizei: Immer mehr Arbeit mit weniger Kräften

Landtagsabgeordneter Adolf Kessel besucht Betriebsrat der Polizei / 51500 Überstunden bei Beamten der Polizeidirektion Worms / „Arbeitsbelastung nimmt zu“ /mit FOTOGALERIE

polizei

MdL Adolf Kessel im Gespräch mit Stefan Dommermuth, Personalratsvorstand der Polizeidirektion Worms, Manfred Schiefelbein, Sachbearbeiter der Kriminalinspektion Worms und Bezirksbeamter Hans-Jürgen Didier (v.links).

WORMS Immer mehr Arbeit mit weniger Kräften – wie die Polizei Worms damit klarkommt und welche Lösungen gesehen werden, das hat Landtagsabgeordneter Adolf Kessel in einem Gespräch mit Vertretern des  Personalrats erörtert. Eine offene, kollegiale Atmosphäre war von Anfang an da: Kessel wurde nicht nur als Abgeordneter gesehen, sondern auch als ehemaliger Kollege. Die Polizeidirektion Worms besteht aus der Kriminalinspektion Worms und den Polizeiinspektionen Worms, Kirchheimbolanden, Alzey sowie der Polizeiwache Wörrstadt.

Stefan Dommermuth, Personalratsvorstand der Polizeidirektion Worms, Manfred Schiefelbein, Sachbearbeiter der Kriminalinspektion Worms  und Bezirksbeamter Hans-Jürgen Didier sagten klipp und klar: „Die Arbeitsbelastung hat zugenommen“. Dies liege vor allem am Personalabbau, an mehr Sondereinsätzen und zusätzlichen Aufgaben. Die Folge: Seit Jahren steigen die Überstunden. „Die Polizeiinspektion Worms ist personell nicht ausreichend ausgestattet“, sagte Personalratsvorsitzender Dommermuth. Der Fehlstellenbedarf liege bei rund 20 Prozent. Die CDU-Landtagsfraktion kämpft seit Jahren für eine angemessene Personalausstattung bei der Polizei.
Wie eine Anfrage von Adolf Kessel im Landtag für die Polizeiinspektion Worms ergeben hat haben sich die Überstunden von 11866 (2007) auf 14141 (April 2012) erhöht. Bei der Kriminalinspektion Worms ging es zwar von 23258 (2007) auf 19982 nach unten – wie der Betriebsrat erklärte liegt dies jedoch nicht etwa daran, dass die Arbeit weniger geworden sei, sondern daran, dass mehr Überstunden ausbezahlt werden mussten. Dommermuth: „Weil die Personaldecke abgeschmolzen wird, müssen bei Sondereinsätzen Kollegen aus der Freizeit oder aus anderen Schichten geholt werden.“ Regelmäßiger Streifendienst könne zwar gewährleistet werden – allerdings nur durch Rotationskräfte, die von Dienststelle zu Dienststelle springen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte im Sommer für die gesamte Polizeidirektion die Zahl von 51500 Überstunden bei den 291 Beamten.
Als weiteres Problem wurde gesehen, dass neue Arbeitsfelder dazugekommen seien, etwa Internetkriminalität. Hierfür fehle zudem ein eigenes Kommissariat. Generell seien die Einsätze schwieriger geworden. „Die Aggressionsbereitschaft gegenüber der Polizei ist gestiegen“.
Beim Rundgang durch die Wache wies der Personalrat auch auf dringend benötigte Sanierungen hin, vor allem bei den Umkleiden und Duschen, aber auch bei einigen Büros. Anzeigen hätten auch schon in einem mit Einsatztaschen vollgestellten Notbüro aufgenommen werden müssen. Inzwischen steht allerdings eine Renovierung an. Ein anderer Kollege wies außerdem darauf hin, dass auch die seit Jahren faktisch sinkende Entlohnung auf die Motivation drücke. „Das fördert Frust“, sagte der Beamte, der nicht mit Namen zitiert werden wollte.
Der Personalrat nannte außerdem Vorschläge, wie die Arbeit intern erleichtert werden könne:  So sollten alle Polizeibeamten auch persönlich per Mail angeschrieben werden können. Zudem sei eine höhere Ausstattung mit Diensthandys sinnvoll.