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05.11.2012

„Belastung bei Polizei nimmt zu - Respekt geht verloren“

MdL Adolf Kessel besucht Polizei Worms / „Besonders stark belastet“ / Hohe Fehlstellenquote

kessel

Landtagsabgeordneter Adolf Kessel (3.v.links) im Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter der Kriminalinspektion, Uwe Deibert, dem Leiter der Polizeiinspektion, Ulrich Koch, und Polizeidirektor Wolfgang Schneider (v.links).

WORMS Weniger Personal, mehr Aufgaben, steigender Stress und sinkender Respekt gegenüber der Polizei – darüber hat Landtagsabgeordneter Adolf Kessel im Rahmen der „Woche der Polizei“ mit Dienststellenleitern bei der Wormser Polizei gesprochen. Polizeidirektor Wolfgang Schneider, der Leiter der Polizeiinspektion, Ulrich Koch, und der stellvertretende Leiter der Kriminalinspektion, Uwe Deibert, sahen Adolf Kessel dabei nicht nur als Abgeordneten, sondern auch als ehemaligen Kollegen. Man begegnete sich in offener und kollegialer Atmosphäre.

Kessel selbst war bei der Polizei in Worms 15 Jahre lang im Dienst, bevor er ins Landeskriminalamt nach Mainz wechselte und dann als Abgeordneter in den Landtag gewählt wurde.
Durch den von der Landesregierung verfügten Stellenabbau von 9400 auf 9014 Stellen sinkt die Personalstärke der Inspektionen weiter.  Das Personalproblem werde  jedoch noch dadurch verstärkt, dass die 9014 Stellen nicht Teilzeit, Elternzeit und eingeschränkt Dienstfähige Beamtinnen und Beamte berücksichtige. Tatsächlich stehen landesweit nur rund 8400 Beamte für den Dienst zur Verfügung.
Die Zahlen aus der Anfrage im Landtag von Adolf Kessel vom April bestätigen dies für Worms:  Demnach beträgt die Sollstärke bei der Wormser Schutzpolizei 117,5 die Ist-Stärke jedoch nur 111,25.  Bei der Kriminalinspektion sieht es ähnlich aus: die Sollzahl nennt 40 Beamte, tatsächlich im Dienst sind 36. Das bedeutet: mehr Arbeit und weniger Erholung.
Gerade die PI Worms sei im landesweiten Vergleich eine der höchst belasteten Dienststellen, denn sie müsse nicht nur das eigene Einsatzgebiet abdecken, zu dem die Stadt mit ihren Vororten, die Verbandsgemeinden Eich und Monsheim, sowie Osthofen gehören. Die PI Worms unterstütze auch Inspektionen im Raum Mainz bei Sondereinsätzen, etwa bei der Sicherung von Fußballspielen.
Der Berg angesammelter Überstunden erklärt sich da fast von selbst. Laut Kessels Anfrage beim Ministerium belaufen diese sich bei der Polizeiinspektion Worms auf 14141  und bei der Kriminalpolizei auf 19982 (Stand April 2012). Wie schwierig sich die Polizeiarbeit in Zahlen darstellen  lässt, veranschaulichte Uwe Deibert von der Kriminalinspektion.
 Als Beispiel nennt Deibert den Albert Schulte Park. Durch viele Einsätze und massive Polizeipräsenz sei man hier der Drogenkriminalität Herr geworden. Und das gehe nur mit ausreichendem Personal.
Von zentralen Beschwerdestellen, wie sie in der Regierungskoalition geplant sind,  verspricht man sich vor Ort in Worms nicht viel. „Wir bieten dem Bürger lieber das Gespräch an“, erklärt Schneider. Das schaffe mehr Vertrauen als schriftliche Stellungnahmen. Die Ausrüstung bewertete Polizeiinspektions-Leiter Koch als gut in der Qualität, Wünsche gebe es jedoch bei der Quantität. Insgesamt habe die Arbeitsbelastung zugenommen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brennen früher aus“. Landesweit sei der Anteil psychischer Erkrankungen gestiegen. Schicht-Rhythmen müssten mehr auf gesundheitliche Belange Rücksicht nehmen. Längere Ruhezeiten seien nötig. Schneider, Koch und Deibert führten zudem aus, dass die Akzeptanz der Polizei in der Gesellschaft abnehme. Koch: „Obwohl wir uns sehr bürgernah zeigen fehlt oft der Respekt“. Manche Jugendliche legten es regelrecht auf ein Kräftemessen an. Sorge bereite die zunehmende Gewalt gegenüber Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten.