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16.06.2013

Dickes und Metzler: Förderschulen müssen erhalten bleiben

Bildungspolitische Sprecherin der CDU Bettina Dickes (MdL) und CDU Bundestagskandidat Jan Metzler stehen Rede und Antwort bei Diskussion der MIT / „Kreis nimmt in Teilen traurige Vorreiterrolle ein bei Rückzug der Förderschulen“

adolf kessel

Adolf Kessel (rechts): Wir werden uns weiter für den Erhalt der Förderschulen stark machen!

OSTHOFEN Die CDU sieht das Fortbestehen der Förderschulen auch in Alzey-Worms in Gefahr. Grund sind Pläne der Rot-Grünen Landesregierung, die sehr stark darauf setzen, beeinträchtigte und nicht-beeinträchtigen Kinder weitestgehend gemeinsam zu unterrichten ("Inklusion"). Im Osthofener Bürgersaal im „Schwanen“ standen die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Bettina Dickes, und Bundestagskandidat Jan Metzler Rede und Antwort zu dem Thema. Eingeladen hatten, mit Unterstützung des Wormser Landtagsabgeordneten Adolf Kessel, die Mittelstands und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT).  

Der Initiator der MIT Stammtische  im Kreis Alzey-Worms, Dr. Karl Eugen Reis, moderierte.
Eindringliche Warnungen vor einer schleichenden Abschaffung der Förderschulen gab es direkt aus dem Publikum selbst – von Eltern betroffener Schüler. Tenor: Nur in Förderschulen seien die Lehrer speziell ausgebildet. Manche Schüler mit Lernschwächen könnten nur dort, in diesem geschützten Raum, Erfolgserlebnisse haben. Die Gefahr bei inklusiven Schulen, wie von Rot-Grün favorisiert, liege darin, dass Schüler mit Förderbedarf ständig die Erfahrung machen müssten, nicht mithalten zu können. Dies schaffe Frust. So werde geradewegs verhindert, dass benachteiligte Schüler den Anschluss an eine Regelschule oder einen guten Start ins Berufsleben schafften.
Eine Lehrkraft an einer Regelschule, die selbst ein beeinträchtigtes Kind in der Förderschule hat, gab unumwunden zu: „Ich könnte meinem Kind in meinem eigenen Unterricht nicht in diesem Umfang gerecht werden“. Andere Regelschullehrer sagten offen, die Gefahr von Überforderung bestehe, weil sie gar nicht für die Betreuung von Förderschülern ausgebildet seien. „Ich komme da an meine Grenzen“, meinte eine Lehrerin, die nun in ihrer Klasse mit beeinträchtigen und nicht-beeinträchtigen Schülern zurechtkommen muss. Eine Schulleiterin befürchtete, dass dadurch auch Burn-Outs bei Lehrern zunehmen. Eine Lehrerin einer Regelschule berichtete sogar, sie sei von „höherer Stelle“ dazu angehalten worden, sich nicht so stark für die Förderschulen auszusprechen. Und eine Zuhörerin, selbst gar nicht direkt involviert in das Thema, warb mit Tränen in den Augen dafür, Förderschulen beizubehalten, "den Kindern zuliebe". Bemängelt wurde auch, dass die Schulen nicht für sich selbst sprechen dürften bei der Beratung von Eltern, wenn es um die Frage nach der Förderschule geht. Negativ bewertet wurde außerdem, dass das Hospitieren von Eltern an Schulen nicht unterstützt werde. 
Dass der SPD-dominierte Kreis Alzey-Worms beim Rückzug von den Förderschulen in einzelnen Bereich eine traurige Vorreiterrolle einnimmt, konnte Dickes schwarz auf weiß belegen: So habe sich der Kreis als einer der ersten im Land aus der Finanzierung der Förderschulen für Sprachen zurückgezogen. Bislang konnten Schüler, die hier Förderbedarf haben, in Frankenthal oder Mainz Hilfe erhalten. Zudem greife der Kreis bei Integrationshelfern nicht mehr auf qualifizierte, eigens dafür ausgebildete Kräfte zurück, kritisierte die Bildungs-Expertin der CDU.
  Dickes versicherte, die CDU werde sich weiter für den Erhalt der Förderschulen einsetzen: Gut  funktionierende Strukturen dürften nicht – wie bei den Hauptschulen – zerstört werden.
Bundestagskandidat Jan Metzler erfuhr aus dem Publikum, dass auch Eltern von Schülern, die Anspruch auf Zuschüsse aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes hätten, dieses Geld offenbar nur schwer vom Kreis abrufen könnten. „Man hat den Eindruck, der Kreis sitzt auf dem Geld und will es nicht hergeben“, fasste eine Dame zusammen und erhielt Zustimmung aus dem Publikum. Landtagsabgeordneter Adolf Kessel versprach der Sache nachzugehen. Er werde eine Anfrage an die Landesregierung stellen, ob das Bildungs- und Teilhabepaket in der hiesigen Region tatsächlich weniger in Anspruch genommen werde als in vergleichbaren Städten und  Gemeinden.
Die Leiterin einer Förderschule fasste zusammen: „Die schönsten Wiesen sind die mit den bunten Blumen, nicht der englische Rasen“. Dickes griff das Bild auf: „Wer unterschiedliche Samen auf ein und dieselbe Wiese wirft, bei dem werden nicht alle Samen aufgehen“. Rot-Grün experimentiere am Bildungssystem, die Leidtragenden seien die Kinder.